Dienstag, 31. August 2010

Projektion

Mein mindestens 20 Jahre jüngerer Nachbar (von unten) entwickelte, nachdem er mich im Bikini am Badesee angetroffen hatte, ein lebhaftes Interesse an mir. Verblüffenderweise fing er tatsächlich an, mir Fragen zu stellen – was ja für einen Mann vollkommen ungewöhnlich ist. Normalerweise zeichnet sich doch ein Mann dadurch aus, dass er nur von sich selber spricht, oder? Vollkommen perplex ging ich auf das, was er wissen wollte ein (bei der Lieblingslektüre angefangen...), und schließlich hatten wir einen regen und interessanten Austausch.

Na nu, gibt es etwa doch Männer, denen nicht ausreicht, was sie in eine Frau hineinprojizieren?
Und welche Bedeutung hatte der Bikini in dem Spiel?

Dienstag, 24. August 2010

Nachbarn und Spannweiten

Mein Nachbar (von nebenan) kennt keine Scheu, sich alle 5 Minuten etwas auszuleihen. Die Spannweite reicht vom Backpapier bis zum Auto (das ich in dem Fall zum Glück inzwischen verkauft habe). Die physische Spannweite des Nachbarn ist ähnlich breit. Von eher kleinem Wuchs, aber dafür extrem fitnessgestählt, ist es ihm unmöglich, seine muskelbepackten Arme eng an den Körper zu bringen.

Während er sein Anliegen vortrug (diesmal wollte er etwas auf meinem Drucker ausdrucken), blies er sich immer weiter auf, so das sich seine Arme mehr und mehr vom Körper abspreizten, bis ich schließlich Zweifel hatte, dass er in dem Zustand durch meine Haustür passen würde. Schließlich willigte ich ein, ihn drucken zu lassen. Er ließ die Luft wieder ab und seine Spannweite schrumpfte wieder zu einem haustürtauglichen Format zusammen.

Mittwoch, 18. August 2010

Zufällig Araki

Bei einem Städtekurztrip nach Hamburg ergab es sich zufällig, dass wir bei der Anfahrt vom Metronom aus eine großflächige Werbung an den Deichtorhallen erspähten. Werbung für eine Fotoausstellung von Nobuyoshi Araki. Also traten wir am nächsten Morgen dort zu einem Besuch an. Im Fokus dieser Ausstellung standen Schwarzweiß-Fotografien von 1968-1976, die seine junge Frau Yoko zeigen, oft in träumender, in sich selbst ruhender Position. Manchmal auch schlafend, manchmal auf natürliche Weise erotisch. Immer sehr persönlich, rührend und geradezu liebevoll fotografiert.

Freitag, 6. August 2010

Die lange Nacht der Bremer Museen 2010 (ein Rückblick)

Die neo-dadaistische Ausstellung eines Bremer Sammlerpaares in der Weserburg namens „Chronische Fluxitis“ der Kunstbewegung „Fluxus“ umfasst z.B.:

1 Brett mit Nägeln und Gummibändern
1 gebratene Fischgräte auf Pergament in einem Holzbehälter mit Glasfenster (Joseph Beuys)
1 Backstein mit Griff
1 elektrische Zahnbürste mit Gebiss
1 Flasche mit herausschauendem Korkenzieher
1 zerbrochener Kleiderbügel
1 Autoreifenpyramide
1 Guckloch für Voyeure (Türspion mit Frauenakt dahinter)

Laut Wikipedia ist Fluxus eine internationale Kunstrichtung der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und nach dem Dadaismus der zweite elementare Angriff auf das Kunstwerk, das im herkömmlichen Sinn abgelehnt wurde und als „bürgerlicher Fetisch“ galt. Was zählte, war die schöpferische Idee.



Besser gefiel mir die Ausstellung „Go for it“ von 2008 aus der Olbricht-Kollektion.

Diese Ausstellung beinhaltete Gegenwartskunst mit den Themen Körper, Tod, Religion, Sexualität und Schönheit, oft auf provokante Art dargestellt.









Leider sind mir die Künstler unbekannt, bis auf Otto Dix mit seinem Lustmord. Die Fotos sind mit dem Handy fotografiert, deshalb die schlechte Qualität. Aber Hauptsache, man kann sich von den Bildern "ein Bild machen".

Besonders faszinierend fand ich die Wunderkammer, untergebracht in einem komplett schwarzen Raum. Angestrahlte Gegenstände wie Tierpräparate, Mineralien, anatomische Modelle, Messinstrumente, Korallen und Muscheln kamen dadurch äußerst wirkungsvoll zur Geltung.





Wunderkammern

Die sogenannten Kunst- und Wunderkammern auch Raritäten- und Kuriositätenkabinette genannt, entstanden während des 15. bis 19. Jahrhunderts und sollten die Vielfalt des Kosmos im Kleinen darstellen. Eingerichtet wurden die Sammlungen von geistigen und weltlichen Herrschern, reichen Bürgern und wissbegierigen Sammlern. Den Anstoß dafür gaben die Entdeckungsfahrten des 15.–17. Jahrhunderts. Viele der Sammlungen wurden später aufgelöst und finden sich nun in Museen wieder.

Hier einige Eindrücke aus Naturalienkabinetten verschiedener Museen:




Montag, 2. August 2010

Haus Atlantis und der Himmelssaal







Der Idee folgend, dass jede Zivilisation von Atlantis ausgegangen sei (besonders die Nordische), beauftragte ein namhafter Bremer Kaffeehersteller den Expressionisten Bernhard Hoetger mit der Neugestaltung der Bremer Böttcherstraße.
1930-31, also noch während der Weimarer Republik wurde das Haus Atlantis gebaut.
An der damaligen Fassade erregte besonders eine große, runde Holz-Plastik namens „Lebensbaum“ Aufsehen, die eine Art „Atlantischen Heilsbringer“ darstellen sollte, indem der gekreuzigten Jesus mit dem Odin der Germanischen Mythologie vermischt wurde.
Innen führt eine ziemlich extravagante Wendeltreppe aus Beton und Glasbausteinen im Art-déco-Stil hinauf in den Himmelssaal. Einem Sakralbau anmutend, erscheint der Saal durch das parabelförmige Dach, mit seinen weißen und blauen Glasbausteinen, die den Lebensbaum darstellen sollen, in einem wunderbaren Licht. Der ursprünglich für Gymnastik und Ausdruckstanz erbaute Saal gilt heute als Raumdenkmal, wird jedoch als Ambiente für besondere Gelegenheiten genutzt.
Den Nationalsozialisten, die 1933 die Macht ergriffen, war die „Böttcherstraßen-Kultur“ ein Dorn im Auge. Obwohl man hätte annehmen können, dass besonders die völkisch inspirierte Ausdrucksweise Anklang finden sollte, waren ihnen die expressionistischen Fassaden nicht geheuer. Ab 1935 gerieten die Verantwortlichen dieser Bauweise zunehmend in Bedrängnis, der Albert Speer 1937 Anfang Mai ein Ende machte, indem er die Böttcherstraße als Beispiel für „entartete Kunst aus der Weimarer Zeit“ unter Denkmalschutz stellte. Ob Albert Speer das Motto „entartete Kunst“ als Rettungsanker genommen hat, weil der den wahren Wert dieser außergewöhnlichen Schöpfung erkannt hat (auch im Hinblick an die Nachwelt), oder ob er es wirklich als entartet empfunden hat? Wir wissen es nicht, aber zum Glück wurden aus dem Grunde Teile der Böttcherstraße oder sogar die ganze Böttcherstraße nicht abgerissen. Die Zerstörung übernahmen dann die Brandbomben, die 1944 aus der Luft auf die Straße abgefeuert wurden. Der Jesus-Odin und die Holzfassade des Haus Atlantis fielen dem Brand zum Opfer. Der 1. und 2. Stock brannte aus, jedoch die Wendeltreppe und der Himmelssaal blieben fast vollständig erhalten. Das Haus Atlantis erhielt eine neue Backsteinfassade, während andere abgebrannte Häuser der Straße größtenteils in ihrem ursprünglichen Zustand bis 1954 wieder aufgebaut wurden. Die auf Missfallen stoßende Lebensbaum-Plastik wurde nicht wieder hergestellt.