Montag, 2. August 2010

Haus Atlantis und der Himmelssaal







Der Idee folgend, dass jede Zivilisation von Atlantis ausgegangen sei (besonders die Nordische), beauftragte ein namhafter Bremer Kaffeehersteller den Expressionisten Bernhard Hoetger mit der Neugestaltung der Bremer Böttcherstraße.
1930-31, also noch während der Weimarer Republik wurde das Haus Atlantis gebaut.
An der damaligen Fassade erregte besonders eine große, runde Holz-Plastik namens „Lebensbaum“ Aufsehen, die eine Art „Atlantischen Heilsbringer“ darstellen sollte, indem der gekreuzigten Jesus mit dem Odin der Germanischen Mythologie vermischt wurde.
Innen führt eine ziemlich extravagante Wendeltreppe aus Beton und Glasbausteinen im Art-déco-Stil hinauf in den Himmelssaal. Einem Sakralbau anmutend, erscheint der Saal durch das parabelförmige Dach, mit seinen weißen und blauen Glasbausteinen, die den Lebensbaum darstellen sollen, in einem wunderbaren Licht. Der ursprünglich für Gymnastik und Ausdruckstanz erbaute Saal gilt heute als Raumdenkmal, wird jedoch als Ambiente für besondere Gelegenheiten genutzt.
Den Nationalsozialisten, die 1933 die Macht ergriffen, war die „Böttcherstraßen-Kultur“ ein Dorn im Auge. Obwohl man hätte annehmen können, dass besonders die völkisch inspirierte Ausdrucksweise Anklang finden sollte, waren ihnen die expressionistischen Fassaden nicht geheuer. Ab 1935 gerieten die Verantwortlichen dieser Bauweise zunehmend in Bedrängnis, der Albert Speer 1937 Anfang Mai ein Ende machte, indem er die Böttcherstraße als Beispiel für „entartete Kunst aus der Weimarer Zeit“ unter Denkmalschutz stellte. Ob Albert Speer das Motto „entartete Kunst“ als Rettungsanker genommen hat, weil der den wahren Wert dieser außergewöhnlichen Schöpfung erkannt hat (auch im Hinblick an die Nachwelt), oder ob er es wirklich als entartet empfunden hat? Wir wissen es nicht, aber zum Glück wurden aus dem Grunde Teile der Böttcherstraße oder sogar die ganze Böttcherstraße nicht abgerissen. Die Zerstörung übernahmen dann die Brandbomben, die 1944 aus der Luft auf die Straße abgefeuert wurden. Der Jesus-Odin und die Holzfassade des Haus Atlantis fielen dem Brand zum Opfer. Der 1. und 2. Stock brannte aus, jedoch die Wendeltreppe und der Himmelssaal blieben fast vollständig erhalten. Das Haus Atlantis erhielt eine neue Backsteinfassade, während andere abgebrannte Häuser der Straße größtenteils in ihrem ursprünglichen Zustand bis 1954 wieder aufgebaut wurden. Die auf Missfallen stoßende Lebensbaum-Plastik wurde nicht wieder hergestellt.

Kommentare:

  1. Tsss, das habe ich mir wohl schon gedacht. :-) Den Text habe ich ja auch nachträglich dazugeschmuggelt.

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